Wechseljahre / Midlife-Crisis des Mannes

Der Begriff „Wechseljahre“ wurde lange Zeit nur für den körperlichen und geistigen Wandel der Frau verwendet und bezeichnet, ähnlich wie die Pubertät, die Jahre, in denen hormonelle Veränderungen zu körperlichen und damit einhergehend auch psychischen Beschwerden bewirken.

Der Mann macht noch nicht allzu lange Gebrauch von diesem Phänomen, gleichwohl ist er vom Älterwerden und Veränderungen im Alter auch betroffen. Man spricht mittlerweile auch hier von Wechseljahren.

Das Thema bekommt damit eine fast etwas pathozentrische, also auf Krankheit fixierte Sichtweise, die wohl eher dem Jugendfetisch unserer Zeit geschuldet ist, als einem tatsächlich bestehenden Heilungsbedarf eher natürlicher Erscheinungen.
Lassen Sie mich zu Anfang also sagen, das Älterwerden bei allen Menschen zu Veränderungen führt, die zum Einen auf der körperlichen Ebene stattfinden und somit auch direkt auf der psychischen Ebene Ausdruck finden. Die Frage nach dem Huhn und dem Ei (was war zuerst da?) darf allerdings auch getrost gestellt werden. Die Wechseljahre auf eine rein körperliche Ursache zu reduzieren rückt, so viel sei schon gesagt, dieses Phänomen in den Status der Unbeeinflussbarkeit und es bleibt nur, sich damit abzufinden.

Das ist nicht so!

Wir wissen heute, dass Körper und Geist enger miteinander verbunden sind, als wir das bisher glaubten und beide sich gegenseitig beeinflussen.

Körperliche Veränderungen

Bei der Durchsicht der körperlichen Veränderungen steht die Verminderte Produktion von Androgenen im Vordergrund. Das sind Sexualhormone, die für die Entwicklung und Erhaltung der männlichen Merkmale im Körper verantwortlich sind. Das bekannteste ist das Testosteron. Es ist sowohl im weiblichen als auch im männlichen Körper vorhanden, unterscheidet sich allerdings in Konzentration und Wirkung beim jeweiligen Geschlecht.
Es wirkt an verschiedenen Organen durch das Schlüssel-Schloss-Prinzip (Hormon-Rezeptor) und bewirkt unter anderem die Reifung der Spermatiden zu Spermien, die Entwicklung des Penis, Hodensacks, der akzessorischen Geschlechtsdrüsen und der sekundären Geschlechtsmerkmale in der Pubertät und sorgt für die Aufrechterhaltung dieser Merkmale bei Erwachsenen.
Außerhalb der Geschlechtsorgane fördert es das Wachstum der Körperbehaarung und der Barthaare, besitzt eine muskelaufbauende Wirkung und verstärkt die Knorpel- und Knochenneubildung.
Es fördert das Entstehen sexuellen Verlangens (Libido), außerdem den Antrieb, die Ausdauer und „Lebenslust“, sowie dominante und aggressive Verhaltensweisen. Als verhaltensbiologische Wirkungen bei Tieren wurden Imponiergehabe, Kampfverhalten sowie Begattungsdrang erforscht und beobachtet.

Dasselbe gilt wohl auch für den Menschen.

Im Alter findet also eine geringere Produktion dieser Hormone im männlichen Körper statt, was natürliche Auswirkungen auf die „männlichen Merkmale“ hat: Die Libido lässt nach, der Mann wird ruhiger, die morgendliche Erektion wird seltener oder schwächer. Man könnte sagen, dass die Männlichkeit im Sinne dieser Merkmale nachlässt, besser gesagt: ruhiger wird.

Hormone steuern maßgeblich unser Verhalten, nicht zuletzt auch unsere Gedanken und damit unser Befinden. Man kann diesen Mechanismus als ein ständiges Rückkoppelungssystem ansehen. Fühlen wir uns schlecht, werden entsprechende Hormone produziert oder eben auch nicht, was bewirkt, dass wir uns (subjektiv) schlecht fühlen. Das Gegenteil ist genauso der Fall.

Ein neuerer Forschungszweig befasst sich mit diesen Mechanismen, besonders mit dem der Proteinproduktion.

Hormone gehören zu den Proteinen, sie werden in den entsprechenden Zellen nach Maßgabe produziert, will heißen, es entstehen oft Hormonketten, an deren Ende dann erst die Produktion des eigentlichen Hormons stehen. Der Bauplan für unsere Hormone ist auf unseren Genen (DNA) zu finden. Über die eigentliche Produktion entscheiden allerdings wohl nicht unsere Gene, sondern sogenannte Epigene. Epigene sind die Steuereinheit unserer DNA , sie entscheiden, ob und welche Sequenz gelesen und ausgeführt wird oder nicht.

Während Gene sich über Jahrhunderte oder gar Jahrmillionenen verändern, ist es möglich Epigene in wesentlich kürzeren Zeiträumen zu verändern und somit auch unsere Hormonlage, unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und unser Altern.

Auch wenn Epigenetiker noch keine ausreichenden Daten haben, so kann man heute bereits sagen, dass Umwelteinflüsse auf unsere Gene einen wesentlich größeren Einfluss haben, als gedacht.

Dauerstress bewirkt nach ersten Erkenntnissen beispielsweise derart auf unsere Gen-Steuerung, dass „schädliche“ Programme aktiviert werden, während ein subjektiv als positiv empfundenes Leben wiederum eine positive Gensteuerung bewirkt. In alldem sucht die Wissenschaft freilich einen Sinn und nicht selten kommt der gesunde Menschenverstand zum Tragen.

Ungeborene, die einem erhöhten Stress ausgesetzt sind (schlechte Ernährung, negative Gefühle am Beispiel von Trauer erforscht) bekommen signalisiert, dass sie in eine stressreiche Umgebung herein geboren werden. In Konsequenz stellt sich der Körper darauf ein, bei kleinsten Signalen zukünftig mit den üblichen Stresssymptomen zu reagieren. Dies geschieht, weil epigenetisch festgelegt wird, dass die dazu führenden Hormone vermehrt und schneller produziert und ausgeschüttet werden, als dies bei Menschen der Fall ist, die unter weniger stressigen Bedingungen heran- und aufgewachsen sind.

Sportliche Aktivitäten, mäßige Ernährung mit natürlichen Nahrungsmitteln (Keine Vitamin-Zusatzstoffe, die sind, nach neueren Untersuchungen teils sogar durchaus schädlich) und vor allem eine positive geistige Einstellung zu den Themen des Alters bewirken ein Umlegen der Schalter, können bestimmte Prozesse im Körper verlangsamen oder gar ganz stoppen, in dem DNA-Programme ausgeschaltet oder zumindest reduziert werden.

Was dem Körper gut tut

Hormonelle Vorgänge lassen sich nun nicht gänzlich stoppen, zumindest wurde die entsprechende Vorgehensweise dafür noch nicht gefunden und wird es so schnell vermutlich auch nicht, vielleicht sogar nie.

Mit dem Wissen allerdings, dass unsere Gene und unsere Hormone nicht zwangsweise so sein müssen, wie wir sie zu einem bestimmten Zeitpunkt erleben, lässt einige Rückschlüsse auf günstiges Verhalten zu, um den Prozessen des Alters zu begegnen.

was sich in der Therapie bewährt, sind ausreichender, allerding auch nicht zu viel Schlaf, ausreichende Bewegung (mäßiger Sport fördert die Hormonregulation) an der frischen Luft, Obst, Gemüse, Wasser – eigentlich all das, was man ja ohnehin schon weiß aber nie macht.

noch vertretbar ist z.B. die Anregung der körpereigenen Hormonregulation durch natürliche Stoffe, wie Pflanzentinkturen, Tees aber auch Zink (regt v.a. bei Männern die nachlassende Testosteronproduktion ganz sanft wieder an, wobei man hier immer wieder mal pausieren sollte, um den Körper immer wieder neu anregen zu können; außerdem ist Zink ein ganz wichtiger Stoff zur Immunabwehr, auch ein häufiges Problem des fortgeschrittenen Alters).

Soweit die körperlichen Eigenheiten fortschreitenden Alters und die Möglichkeiten, diesen Veränderungen zu begegnen und sie evtl. milder ausfallen zu lassen.

Das Älterwerden wirkt allerdings in einem anderen Bereich viel stärker, und vielleicht ist es dieses Einwirken, dass uns die vergleichsweise milden körperlichen Symptome überhaupt erst wie eine mittelschwere Katastrophe aussehen lassen. Es ist unsere Psyche, die, wie eben schon gesagt, unser körperliches Empfinden maßgeblich beeinflusst und sogar körperliche Aktionen und Reaktionen auslöst (siehe hierzu die Epigenetik).
Unsere Psyche erzeugt ein klares Bild von der Welt, nicht immer ein gutes aber zumindest eines, an das wir glauben und das wir verwirklichen, zumindest, solange wir daran festhalten. Dieses Bild entwerfen wir nicht alleine, sondern wir richten uns in großen Teilen nach den derzeitig gültigen gesellschaftlichen Konventionen, die ich im Folgenden kurz betrachten möchte.

Gesellschaftliche Konventionen

Alter
Mit 40 also haben wir die Mitte des Lebens erreicht, das halbe Leben hinter uns. Das stimmt natürlich so nicht, denn, mal das statistische Mittel von ca. 80 Jahren Lebenszeit vorausgesetzt, wir haben mit 40 noch weit mehr bewusstes Leben vor als hinter uns. Und trotzdem beginnen wir in diesem Alter nicht selten, das fortschreitende Alter vor uns zu sehen, das Altwerden mit all seinen vor allem werbemäßig gut gestreuten Nachteilen, die (natürlich) medikamentös aufgefangen werden können.

Da werden kleine Wehwehchen (Rückenschmerzen, leichter Bauchansatz, etc,), die man durchaus auch im jüngeren Alter bereits hatte plötzlich nicht mehr als körperliche Eigenheit aufgefasst, sondern ganz klar dem Alter zugeschrieben.

Seit einigen Jahren wird viel über die zukünftige überalterte Gesellschaft geschrieben und publiziert und, obwohl wir noch gar nicht dazu gehören, betrachten uns jetzt schon als Teil dieser lästigen Generation, die Supermarktkassen in morgendlichen Stunden bevölkert, Kranken- und Rentenkassen unnötig belasten und somit der jüngeren Generation das Recht auf ein gutes Leben nimmt.
Lösbar ist das Problem der Überalterung allenfalls durch die Zuwanderung von jungen Fremden, die seit der aufbrandenen Diskussion um das Buch von Thilo Sarrazin ja nun auch keinen guten Ruf mehr genießen.

Kurz gesagt: wir haben allen Grund, vor dem Alter Angst zu haben, Angst davor, in einem mittelklassigen Pflegeheim dahin zu vegetieren, weil unsere Rente für nicht viel mehr reicht. Abgeschoben, lästig und wachstumshemmend. Das ist das Bild, das wir vom Alter haben oder, wenn dies noch nicht der Fall ist, bekommen, weil Publizisten und Statistiker nicht müde werden, uns mit diesen Prognosen zu füttern.
Nochmal: das sind Gedanken, die sich uns in der Mitte des Lebens heutzutage durchaus aufdrängen und das, obwohl wir noch mitten im Leben stehen und noch weit davon entfernt sind, alt zu sein.

Alter ist in diesem Gesellschaftlichen Sinne also weniger eine biologische als eine politische Frage. Und wenn wir schon Publizisten nicht davon abhalten können, dieses Thema so zu beschreiben, wie sie es eben tun, so können wir uns selbst Einhalt gebieten und ein anderes Bild in unserem Kopf entwerfen.

Bilder des Mannes

Wir definieren uns auf eine sehr natürliche Weise mit unserem Geschlecht. Das macht sich im Namen und vielerorts auch in Positionen (bspw. im Wirtschaftlichen aber auch im familiären Bereich) bemerkbar.

Wir leben, das kann man zweifelfrei behaupten, in einer Gesellschaft, in der Äußerlichkeiten viel Wert beigemessen wird. Dazu gehört das Aussehen und die Potenz (dieses Wort sei hier in Bezug auf die allgemeine Leistungsfähigkeit verwendet, natürlich auch auf den sexuellen Bereich).
Wer aber bin ich, wenn ich meine Manneskraft nicht mehr in dem Maße einsetzen kann, wie ich es einst konnte, wenn mich jüngere Kollegen auf Grund einer stärkeren Körperkraft und somit Leistung überholen können und es auch tun?

Bin ich überhaupt noch ein Mann, wenn all diese Merkmale weniger werden oder gar ganz schwinden?

Es sind in erster Linie diese gesellschaftlichen Bilder, die den Mann in den Wechseljahren (ver) zweifeln lassen. Und es ist dringend erforderlich, sein Mannesbild den Umständen anzupassen und zu respektieren. Denn schließlich ist es ja nicht so, dass es nur diese Merkmale sind, die den Mann oder den Menschen ausmachen.

Vielleicht ist es nötig, im Alter zu respektieren, dass es nicht mehr nur auf das Geschlecht und den ihm zugewiesenen Rollen , sondern auf geschlechtsübergreifende Merkmale und vor allem Fähigkeiten ankommt.

Bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass auch wir dazu beigetragen haben, dieses Alters- und Rollenbild mit entworfen haben, eben zu Zeiten, in denen wir jünger waren. Nun sind wir konfrontiert mit diesem Bild und müssen (und dürfen!) es unter Umständen revidieren.

Psyche
Wie bereits gesagt, wirkt sich die Psyche, also rein wissenschaftlich ausgedrückt: die Hirnaktion auf körperliche Geschehnisse aus und umgekehrt. Wir leben in einer ständigen Rückkoppelungsschleife zwischen Gedanken und Gefühlen, zwischen Hirnaktivität und Hormonsteuerung. Die Frage, ob eine negative Einstellung oder die körperliche Entsprechung in Form hormoneller Vorgänge zuerst da waren, ist also berechtigt und es spricht mehr dafür als dagegen.

Eines lässt sich sicher nicht wegdiskutieren: Wir werden älter und unser Körper verändert sich mit dem Alter. Ebenso verändert sich auch unser Geist mit dem Alter. Wir haben ungleich mehr Erfahrungen gesammelt, haben unsere Schlussfolgerungen gezogen, haben Rebellionen und deren Scheitern erlebt und wissen heute, dass manche Weg wichtig sind, deshalb aber trotzdem nicht funktionieren.

In früheren Kulturen wurde diese Erfahrung sehr deutlich in das Leben integriert. Sie wurde besonders auch von den jüngeren Menschen gezielt abgerufen und geachtet. Die „Alten“ hatten ihren Platz.

Weg von Wissenschaftlichen Erhebungen verspüre ich bei mir und bei den Menschen, mit denen ich die Midlife-Crisis diskutiere die folgenden Dinge:
Mit dem (subjektiv) Näherkommen der Themen „Alter“ und „Tod“ stellt sich die Frage nach dem bisherigen und dem noch folgenden Leben. Dies sind Fragen, die, wenn sie nicht befriedigend beantwortet werden können, überhaupt erst die Krise ausmachen:
Habe ich mein Leben so gelebt, wie ich es leben wollte?

In den meisten Fällen tauchen hier die unerfüllten Wünsche und Bedürfnisse auf. Es werden neue Partnerschaften gesucht, vielleicht nochmal ein Kinderwunsch geäußert, Berufswechsel bedacht, neue Freiheiten wollen entdeckt und gelebt werden. Es wird nach einer Selbstverwirklichung gestrebt, von der man glaubt, sie bisher nicht gehabt zu haben.

Das stimmt und stimmt so auch wieder nicht, denn natürlich haben wir uns bis hierhin verwirklicht. Wir haben vielleicht eine Familie gegründet, Kinder groß gezogen, ein Haus gebaut.
Vielleicht haben wir uns aber auch voll und ganz auf unsere Karriere konzentriert und eine veritable Position mit hohem Einkommen erreicht, oder wir sind um den gesamten Erdball gereist und haben uns die Welt angeschaut.

Jedenfalls haben wir das verwirklicht, was uns bisher wichtig erschien, sei es Familie, seine es Kinder, sei es ein Single-Leben oder sei es die berufliche Karriere oder ein Mix aus alledem.

Und nun kommen wir an einen markanten Punkt, der Mitte unseres Lebens nämlich, an dem uns auffällt, dass sich unsere Bedürfnisse geändert haben. Vieles haben wir erreicht und getan, was wir erreichen wollten, vielleicht weil es uns in diesem Abschnitt unseres Lebens wichtig erschien oder auch vielleicht, weil es anderen für uns wichtig erschien und wir diesen Ansprüchen genügen wollten.

Doch wir hinterfragen unser Leben und unser Wirken letztlich zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens und orientieren uns immer wieder um. Im Angesicht des sich nähernden Älterwerdens (und der Angst davor) allerdings scheint uns diese Frage und die Antworten darauf wesentlich gewichtiger zu werden. Daher rühren vielleicht auch die extremeren Verhaltensweisen.

Getrieben von der Angst älter zu werden (nicht zu sein!), wollen wir plötzlich alles sofort nachholen, obwohl immer noch viel Zeit ist.
So scheint es nicht das Überdenken und die daraus folgende Neuorientierung zu sein, die uns in der Midlife-Crisis so seltsam aussehen lassen, sondern eher die übertriebene Konsequenz und der Zeitdruck, mit der wir diesen Wechseln vollziehen wollen, immer in dem Glauben, der sich in uns festgesetzt hat, dass kaum noch Zeit bestünde, die Dinge neu zu gestalten.

Nochmal: Es ist natürlich und wichtig, unser Leben zu hinterfragen und neu zu gestalten. Motiviert uns (Männer) aber in jungen Jahren Ehrgeiz und Abenteuerlust, Neues auszuprobieren, so ist es in der Midlife-Crisis wohl eher die Angst. Und genau das lässt einen völlig natürlichen und legitimen Prozess dann eher hektisch und unnatürlich aussehen. Hier liegt so auch vielleicht der Schlüssel, einen natürlichen Prozess zu nutzen.

Verbote wachsen im Alter

Ein weiterer Punkt ist wichtig, betrachtet zu werden. Aus irgendeinem Grund herrscht die Meinung, dass Mann im Alter besonnener, ruhiger, ja, weiser werden muss. Und plötzlich sind Verhaltensweisen, die man bei jungen Menschen noch bewundernd zur Kenntnis nimmt, mit zunehmendem Alter plötzlich unangemessen.

Selbstverwirklichung, ob es ein sportliches Auto oder eine junge Partnerin oder ein junger Partner ist, ob es eine Weltreise mit Zelt und Rucksack oder das Erlernen spiritueller Techniken ist. All diese Dinge werden mit zunehmendem Alter belächelt, nicht selten von jenen, die sich einfach nur nicht trauen, nochmal etwas ganz anderes zu machen.

Und genau dieser Druck ist es, der uns davon abhalten kann, das zu tun, was wir glauben, tun zu müssen.

Systemische Effekte

Neben unseren eigenen Restriktionen haben wir es auch noch mit systemischen Effekten zu tun. Die Partnerin oder der Partner, der Angst hat, plötzlich einen ganz anderen Mann zu bekommen. Statt die Veränderung zu begrüßen, wird sie beim Partner bekämpft und verurteilt, vielleicht, um sich selbst nicht verändern zu müssen.

Ängste kommen hoch. Was, wenn ich als PartnerIn meinem sich verändernden Mann plötzlich nicht mehr genüge? Was, wenn ich den Mann nach seinem Veränderungsprozess nicht mehr mag? Nicht selten wird von Seiten unserer Weggefährten aus durchaus nachvollziehbaren Ängsten versucht, unseren Veränderungswunsch zu unterdrücken, ihn ins lächerliche zu ziehen mit dem Ziel, dass wir so bleiben, wir waren sind.
Und genauso oft scheitert diese Blockade und führt überhaupt erst zu der Entfremdung, die man doch vermeiden wollte. Entweder, weil der Partner jetzt erst recht und mit umso mehr Entschiedenheit eine Veränderung herbeiführt, oder weil er sie eben nicht herbeiführt und nun die Schuld beim Partner sucht.

Fazit

Wir können das Alter nicht aufhalten aber wir haben seinen Verlauf zu einem nicht unerheblichen Teil in der Hand.
Auf der körperlichen Ebene lassen sich Prozesse entscheidend positiv beeinflussen, in dem wir zu einer guten Ernährung und vor allem zu sportlichen Aktivitäten finden. Die Epigenetik lehrt uns, dass solche Verhaltensweisen positive Signale auf unseren gesamten Stoffwechsel aussenden, ihn verändern und somit „gesunde“ Programme aufrufen.

Auf der psychischen Ebene wird es Zeit, die Mitte des Lebens nicht mit dem Altern zu assoziieren, weil wir mit 40 oder 50 nach heutigen Maßstäben eben noch lange nicht alt sind und weil wir die gesellschaftlichen Folgen des Älterwerdens eben nicht linear betrachten können. Kaum ein Szenario hat sich je bewahrheitet, seien es konjunkturelle oder gar noch viel komplexere gesellschaftliche Szenarien. Sie dienen nur denen, die ihr Geld mit solchen Szenarien verdienen und sich im Gegenzug Wirtschaftsweise nennen dürfen.

Vielmehr gilt es, den gedanklichen Umbruch zu nutzen, und zwar nicht in Torschlusspanikartiger Eile, sondern in der Besonnenheit, die jeder Umbruch verdient. Nur so können wir unsere erworbene Erfahrung, Klugheit und vielleicht auch Weisheit für gute Entscheidungen nutzen, die zu einem weiteren langen Leben führen.

Ausgestattet mit diesem neuen Bild über die Mitte des Lebens und dem Älterwerden sollte es uns leichter fallen, neu entdeckte oder bisher nicht gelebte Bedürfnisse gut zu kommunizieren, so dass auch unsere Weggefährten oder Partner nicht nur Verständnis für diesen Wandel haben, sondern ihn auch unterstützen und bestenfalls ebenso davon profitieren.

Älterwerden ist größtenteils ein Bild, das wir im Kopf haben, ein Bild, das von Medien und von anderen Menschen mit geformt wurde und wird.

Was ist so schlimm daran?

Zum Schluss möchte ich Sie ermutigen, eben diese Konventionen ganz klar zu missachten! Ich möchte sie ermutigen, zu Ihrer Entwicklungsfähigkeit zu stehen. Ich möchte Sie ermutigen, in jedem Alter zu zeigen, wo Ihre Bedürfnisse liegen, seien es alte, bisher nicht gelebte oder gar ganz neu aufgetauchte, denn, mal ganz ehrlich:

Was ist so schlimm daran, körperliche Veränderungen, die dem Alterungsprozess geschuldet sind, kosmetisch aufbereiten zu lassen, Schlupflider zu entfernen oder Brüste schönheitschirurgisch formen zu lassen, und so zu einem angenehmeren Körpergefühl zu finden?

Was ist so schlimm daran, Sport zu treiben und sich anders zu ernähren, mit dem Ziel, seinen Körper in Form zu bringen, um so sich selbst und damit auch anderen, auch jüngeren, wieder zu gefallen?

Was ist so schlimm daran, seine sexuelle Potenz medizinisch (mit Viagra, o.ä.) zu unterstützen, um die ein oder andere schöne Stunde mit einem adäquaten Partner zu verbringen?

Was ist so schlimm daran, sein Image mit einem schönen Auto aufzupolieren?

Was ist so schlimm daran, wenn neben einem 55jährigen Mann plötzlich eine 3ojährige Blondine sitzt oder wenn neben einer 55jährigen Frau die 25jährige Muße Oliver sitzt?

Ich sage es Ihnen: So schlimm daran ist eigentlich nur, dass der 25jährige Oliver nicht neben uns sitzt.

Leben Sie wohl!