Warum Heilpraktiker für Psychotherapie?

Warum lernen wir die „Krankheitsbilder der Psychiatrie“? Alleine die Frage legt einen trockenen Stoff nahe, der gelernt werden will, weil … ja, warum eigentlich?

Die sachliche Antwort darauf zielt auf die juristischen Legitimation ab. Wer die Zulassung zum Heilpraktiker hat, der darf therapieren. Das ist legitim, für den Prozess des Lernens allerdings weitestgehend unwichtig. Die Legitimation kann die Initialzündung sein, diesen Kurs zu belegen. Der „trockene Stoff“ wird dadurch allerdings nicht „feuchter“ und somit auch nicht spannender – zumindest zeigt das die Erfahrung.

Die Faszination der Seele

Ich vergleiche unser Gehirn mit der Benutzung eines Autos. Fast jeden Tag fahre ich damit, meistere schwierige Situationen, und selbst wenn ich mit 140 Kilometern die Stunde über die Autobahn fahre, scheine ich es zu beherrschen. Dann plötzlich fängt mein Auto an zu ruckeln, zu stottern und bleibt stehen. Mir wird plötzlich klar, dass ich mein Auto so gut eben doch nicht kenne, muss es reparieren lassen von jemandem, der mehr Ahnung davon hat – und selbst der Fachmann ist manchmal überfragt und spricht von einem „Eigenleben des Autos“, von komplexen Zusammenhängen und einer längerwierigen Untersuchung.

Das kommt mir bekannt vor

So ähnlich scheint es mit meinem Gehirn, meinem Körper, meiner Seele zu sein. Ich navigiere mit ihnen durch das Leben und immerhin bin ich schon weit damit gekommen. Doch manchmal hakt es und meine Seele bringt seltsame und/oder unliebsame Dinge hervor.

Plötzlich lässt sie mich schlecht fühlen, macht mir Angst, lässt mich Dinge zwanghaft wiederholen, zeigt mir Dinge, die so gar nicht exisiteren, lässt mich zittern und schlottern, schaltet mich nahezu aus, treibt mir die Tränen in die Augen oder lässt mich „ausrasten“. Ich bin audgebrannt, nicht mehr fähig, am Leben teilzunehmen und bin hilflos.

Wer heilt hat Recht

Wir haben uns bei der Erforschung dieser Phänomene zunehmend auf die Wissenschaften verlassen oder auf Menschen von denen wir glauben, dass sie es besser wissen als wir. Dabei sind wir ja selbst Besitzer eines (unseres) Gehirnes, und haben durchaus die Möglichkeit, neugierig zu hinterfragen, warum es so reagiert, wie es manchmal eben reagiert.

Wenn wir also die „Krankheitsbilder der Psychiatrie“ besprechen, dann besprechen wir auch immer die Unwegsamkeiten, die unsere Seele verursacht und kommen dadurch dem Phänomen unseres Denkens und Fühlens ein Stück weiter auf die Spur.

Und schließlich sind wir als „Besitzer“ und „Besitzerin“ einer Seele – was auch immer wir unter diesem Begriff verstehen – angehalten, sie eben zu erforschen, um immer besser mit ihr umgehen zu können.

Bestenfalls lernen wir so, uns selbst, unsere Seele und auch unseren Körper immer besser zu verstehen, ein zufriedenes Leben zu führen und somit auch anderen Menschen zu einem zufriedeneren Leben zu verhelfen.

Körper, Geist und Seele

Es ist mir ein Anliegen, Körper und Geist und die daraus erwachsende Seele als eine Einheit zu verstehen, die miteinander und aufeinander reagieren. Wenn sich die Psychopathologie in körperliche und psychische Ursachen aufteilt, so ist dies erst einmal der Versuch, für die Behandlung verschiedene fachliche Disziplinen verantwortlich zu machen.

Nach meinem Verständnis ist zur Behandlung von auch körperlicher Symptome immer auch ein Blick in die Seele von Nöten, die Auseinandersetzung mit den seelischen Aspekten einer Erkrankung. Glücklicherweise wird dies auch wissenschaftlich immer häufiger gefordert und gefördert.

Wissenschaft vs. Erfahrung

Es mag dem Zustand geschuldet sein, dass wir der Wissenschaft und ihren Erkenntnissen heute mehr Aufmerksamkeit widmen, als unserem eigenen Gefühl zu einer Erkrankung. Bei allen Vorteilen, die wissenschaftliche Erkenntnisse in unser Leben gebracht haben, lässt sich trotzdem eine Entmündigung beobachten. Wir vertrauen Studien mehr, als wir uns selbst oder gar alternativen Ansätzen vertrauen. Fakten dominieren, auch wenn wir wissen, dass diese bald auch wieder widerlegt sein werden.

Synthese statt Analyse

Das Kennenlernen der Erkrankungen der Seele soll also nicht nur helfen, eine juristische Legitimation zur Ausübung der Seelen-Heilkunde geben. Es soll uns vor allem mit den Reaktionen der Seele vertraut machen und uns und unseren Klienten ein Stück näher an das heranbringen, was wir vielleicht sogar noch nie richtig betrachtet haben: Die Gesamtheit des menschen, der sich niemals in Körper, geist und Seele aufteilen lässt und ein komplexes und verwobenes Miteinander dieser Teilaspekte darstellt, die eben auch in dieser Ganzheit betrachtet werden muss.

Als Therapeut und Therapeutin, auch das legen neuere Erkenntnisse nahe, sind wir auch immer Teil dieses Netzes, stehen nie außen vor, sondern sidn auch immer angehalten, unseren Anteil an der Welt zu betrachten.