Hochbegabung – nicht krank, sondern begabt!

Ich hatte bereits längeren Kontakt zu Frank. Er arbeitete nach seiner Lehre in einer Chemiefabrik im Schichtdienst. Suizidversuche und Drogen säumten sein Leben ebenso wie kurze, meist in einer Katastrophe endende Beziehungen. Er wohnte in einem Hochhaus in einer Einzimmerwohnung unter sehr reduzierten Umständen. Erst die Eskalation seiner Situation machte deutlich, dass nun etwas geschehen musste.

Ein Fall aus der Praxis

Mir fiel von Anfang an auf, dass er weit unter seinem Potential arbeitete und lebte und begann, gemeinsam mit ihm seine Fähigkeiten zu entdecken. Wir analysierten aus seinen bisherigen beruflichen und privaten Aktivitäten heraus, dass ihm die Arbeit an und mit Computern nicht nur Spaß machte, sondernauch die Möglichkeit gab, seine starken Denk- und Analysefähigkeiten sinnvoll einzusetzen.

Wir setzten den Fokus in seinem Lebenslauf auf genau diese Tätigkeiten, die er in seiner Tätigkeit bisher nur nebenbei erfüllte, und beschrieben sie als Hauptmerkmale seinen Könnens und Wissens. Wichtig war, dass er in einem Bewerbungsgespräch auch guten Gewissens das vertreten konnte, was sein neuer Lebenslauf versprach.
Einer meiner Kontakte, Abteilungsleiter des IT-Supports eines großen Unternehmens, schulte ihn in den Basics der PC-Technologie.

Dank Franks Potential, was das Lernen angeht und Dank seines Willens, sein neu entdecktes Potential zu entfalten, lernte er schnell und mit Begeisterung. Es schien, als sei eine Schleuse geöffnet worden, die es endlich ermöglichte, seine Fähigkeiten und sein Talent nicht mehr zu verbergen oder in Drogenmissbrauch und Selbstverletzung zu kompensieren.

Der Lebenslauf wurde im IT-Unternehmen eingereicht und Frank, der Lagerarbeiter, erhielt eine Anstellung zum PC-Suppporter. Heute gehört er zu den erfolgreichen seines Faches. Auch sein privates Leben veränderte sich zunehmend positiv.

Potential will genutzt werden

Krankheit, psychisch wie körperlich, hat viele Gesichter und zu den Gründen Ihrer Entstehung gibt es viele Sichtweisen. Als langjähriger Personaler, Trainer  und Coach in Unternehmen und mittlerweile in eigener Praxis habe ich mir die Sicht auf das Potential meiner Klienten und vor allem die Folgen seiner Unterdrückung angeeignet.

Das Potential eines Menschen fügt sich zusammen aus seinen Bedürfnissen, Wünschen und seinem Talent und den daraus resultierenden Fähigkeiten. Diese vereinigen sich bildlich gesprochen zu der ureigensten Frequenz eines jeden Menschen – seinem Potential eben. Es sollte also klar sein, dass Potential und seine Unterdrückung alle Systeme betrifft, in denen Mensch sich befindet, einschließlich seines eigenen.

Krankheit in diesem Zusammenhang muss weder schwer noch pathologisch sein und oftmals kommen Menschen nicht wegen einer Erkrankung in die Praxis, sondern wegen des unbestimmten Gefühls, dass der eingeschlagene Weg nicht stimmt. Meistens früher als später kommt die Sprache dann auch auf körperliche wie psychische „Ungereimtheiten“.

Potential wird oft im beruflichen Zusammenhang gesehen. Schnell aber stellt sich in der Praxis heraus, dass alle Partnerschaften – eben nicht nur die beruflichen – betroffen sind.

Ein Beispiel von vielen

Frank ist ein Beispiel von vielen und seine Geschichte verlief im Vergleich zu anderen schwerwiegend. In eine Therapie wollte sich Frank nicht (mehr) begeben, weil seine bisherigen Therapeuten – Ärzte wie Psychologen – die eigentlichen Ursachen seiner Probleme nicht finden konnten. Kein Wunder: Sie suchten die Erklärung in entsprechenden Krankheitsbildern. Auf die Idee, dass dies nicht die Ursachen seines wirren Lebens, sondern die Auswirkungen seines ungelebten Potentials waren, kamen Sie auf Grund Ihrer Sichtweise nicht.

Manch ein Lebenslauf beginnt wesentlich sanfter und verläuft stringenter, die psychischen wie körperlichen Äußerungen sind „unverdächtiger“. Und doch quälen Sie den Klienten. Der Zusammenhang körperlicher Symptome als Ausdruck psychischer Konflikte wird erst einmal nicht gerne gezogen. Oft höre ich die Aussage: „Ich bin doch nicht verrückt!“.

Man sollte meinen, dass es eine Erleichterung ist, wenn Menschen feststellen, dass Sie entgegen Ihres Potentials leben. Häufig jedoch ist auch Angst mit dieser Entdeckung verbunden. Angst vor eventuell anstehenden Veränderungen und damit Angst vor dem Verlust von Sicherheit.

Hier wird auch die Rolle von Systemen, in denen sich der Klient befindet, deutlich: Sie können mit ihren übergeordneten Interessen maßgeblich an der Aufrechterhaltung des Ist-Zustandes ihres Mitglieds beteiligt sein und müssen deshalb in das Beratungskonzept einbezogen werden – direkt oder indirekt.Gefühle sind der Schlüssel zu uns selbst

Frage ich den Klienten, was ihn zur Beratung bewogen hat, bekomme ich entweder eine vage Antwort oder die Dinge aufgelistet, die ihn stören, behindern und die er ändern möchte. Genauso schnell werde ich aber auch gefragt, wie er denn herausfinden soll, wo seine wahren Bedürfnisse liegen.

Wir alle streben nach Zugehörigkeit und das führt häufig dazu, dass wir die Maßstäbe der anderen als unsere eigenen betrachten und ungefragt annehmen – eben um dazu zu gehören. Wir werden Manager, weil der Vater es war, wir machen auf Biegen und Brechen Karriere, um es den anderen zu zeigen, wir lassen uns anstellen, weil wir dann sozial abgesichert sind oder wir gründen ein Unternehmen, weil dass der wahre Weg der erfolgreichen ist. Um es deutlich zu machen: An all diesen wegen ist nichts verkehrtes, solange Sie unserem Potential, unseren wahren Wünschen und Bedürfnissen und vor allem unserem Talent entsprechen. Wenn wir darüber krank und unglücklich werden ist es an der Zeit, den eingeschlagenen Weg zu überprüfen.

Als Maß der Dinge steht uns eine sichere Quelle zur Verfügung – und das sind wir selbst! Der Zugang zu dem, was wir als wertvoll und sinnvoll erachten sind unsere Gefühle. Gefühle sind die einzig wahre Sprache zu und mit uns selbst ist. Wir haben in vielen Bereichen verlernt, die Sprache der Gefühle zu verstehen.
Und so kommt es, dass sich die unbewusste und unerkannte Unzufriedenheit in Form von kleineren oder auch größeren Symptomen in unserem Geist und/oder Körper Raum verschafft oder gar ganz nach außen tritt und das verursacht, was wir Schicksal nennen.

Krankheit und Schicksal

Ich sehe in vielen Fällen diagnostizierter seelischer wie körperlicher Erkrankungen die eigentliche Ursache in unterdrücktem Potential.
Depressionen beispielsweise verhindern, dass überhaupt noch gedacht wird. Der Datenfluss im Gehirn wird durch eine Unterversorgung an Überträgersubstanzen (Serotonin) gehemmt oder ganz gestoppt. Darunter allerdings leidet dann der ganze Mensch. Sein Gefühlsleben wird soweit unterdrückt, dass es zum Gefühl der Gefühllosigkeit kommt.

Zwänge könnten der verzweifelte Versuch sein, in den scheinbar unkontrollierten Datenfluss eine Ordnung zu bringen. Und so beginnen Menschen, sich permanent die Hände zu waschen, jede Aktion an Zahlen zu koppeln, unentwegt die Wohnung zu putzen oder ständig zu kontrollieren, ob der Herd ausgeschaltet ist. Die ganzen bizarren Rituale, die ein Zwangskranker ausübt, fänden eine Erklärung.

Psychosen könnten eine Reaktion auf die Unterbindung der hohen Taktfrequenz des Gehirns sein. Statt nun den Gedanken freien Lauf zu lassen und sie sinnvoll zu nutzen, werden Geschichten erfunden, die von Verfolgung, von Liebe, von Macht, Abstammung oder Nichtigkeit handeln – allesamt Themen eines Wahns.

Oder das Gehirn, gewaltsam an seiner sinnvollen Nutzung gehindert, beginnt, Stimmen zu erfinden oder Gestalten und ganze Szenen zu entwerfen, die so in der äußeren Wirklichkeit gar nicht stattfinden. Die Psychologen nennen es Halluzination.

Sogenannte Krankheiten wie Borderline, Multiple Persönlichkeiten könnten hier eine Erklärung finden. Phänomene, bei denen Körperteile oder Gedankengänge als nicht mehr zum Ich zugehörig gefühlt werden, entzogen und eingegeben werden oder sich ausbreiten, könnten Ausdruck einer Angst vor eben diesen eigenen Gedanken sein.

Ein Gehirn muss nicht hochbegabt sein, um sich solcher Mechanismen zu bedienen. Es ist im Grunde gleichgültig, welches Potential unterdrückt wird. Sobald ein Mensch das Potential, dass durch ihn gelebt werden will und muss, unterdrückt, kompensiert sein Gehirn. Potential ist nichts anderes als Energie – und die muss auf irgendeinem Wege nach draußen gebracht werden.

Wird diese Energie – das Potential – in langweilige Arbeit und nicht artgerechte Lebensführung eingezwängt, kracht es irgendwann. Erst im Kopf, dann am Körper und schließlich im Außen.

Das wird dann landläufig als Schicksal bezeichnet. Ein Unglück jagt das nächste, ein Misserfolg folgt dem anderen und so geht die Spirale unaufhörlich nach unten – bis endlich begriffen wird, dass es sich hier nicht um eine destruktive Energie handelt, um irgendetwas Übermächtiges, sondern um eine durchaus konstruktive Energie, die sich ihren weg bahnen will.

Körper, Gestik und Mimik, der Wortschatz und die gesamte Äußerung machen nichts anderes, als diesem Mechanismus zu folgen. Die Umwelt wiederum macht nichts anderes, als auf diese Äußerungen zu reagieren. Es ist unumgänglich, dass sich nur noch die Menschen um einen scharen, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Gleich und gleich gesellt sich eben gerne.

Umgekehrt passiert es genauso: Sobald man beginnt, sein Potential zu leben und vor allem erst einmal zu lieben, passieren Dinge. Menschen kommen auf einen zu, und Menschen verlassen einen. Dinge passieren einem und manche Dinge passieren auch nicht mehr. Man mag Anfangs den einen oder anderen Verlust beklagen wollen. Doch wird man genauso schell merken, dass man nur das verlieren kann, was nicht mehr zu einem Selbst gehört, oder einen womöglich eher behindert, als fördert. …Der Ablauf einer Potentialentwicklung

In die Praxis

Zunächst einmal ist an der aktuellen und als akut empfundenen Problematik gearbeitet werden. Da kommen Klienten, deren Lebenssituation sich auf die Psyche oder auf den Körper schlägt, oder die von Schicksal überfallen werden. 

1. Erkennen des Potentials
Der aktuelle Zustand und die Veränderungswünsche, die in ihm stecken, geben erste Hinweise auf das, was der Klient will, was er nicht (mehr) will und was er ändern möchte.Ein Blick in seine Biographie vervollständigt das Bild. Diese Phase ist Anfangs erfahrungsgemäß von Spaß geprägt. Bedürfnisse und Wünsche können und dürfen häufig zum ersten Mal geäußert werden, ohne dass jemand darüber lacht.Die Biografie gibt eindeutige Hinweise, wo ein Potential bereitliegt. Talente werden erkannt und nicht selten mit Staunen oder gar Tränen begrüßt.
2. Anerkennen des Potentials
Im zweiten Schritt ist es am Klienten, sein Potential aus dem Schatten herauszuholen, um es anzuerkennen. Oft sind es Minderwertigkeitsgefühle, die dies verhindern. Sätze wie „Das kann doch jeder!“ sind typisch und fordern eine Neubewertung der Talente, Fähigkeiten, Wünsche und Bedürfnisse. Das Anerkennen von Potential, im Besonderen das Anerkennen von Intelligenz oder gar Hochbegabung, kann den Klienten vor eine große Herausforderung stellen. Die damit verbundene Umbewertung, die unter Umständen sein ganzes Leben betreffen kann, braucht Zeit. Verpasste Chancen und Möglichkeiten werden hier genauso deutlich wie Scheiterungen, die keine waren.Zum anderen können die Systeme, in denen sich der Klient befindet, Gegenarbeit leisten, die es zu verstehen und überwinden gilt: Vergleichbar mit einem Schauspielensemble, hat sich jeder Mensch (s)eine Rolle im System zugedacht. Wird die Rolle geändert, muss der Rest entweder mit der Änderung des Drehbuchs einverstanden sein, oder die Rolle wird schlicht ersetzt, was für den Klienten den Rauswurf aus dem Ensemble bedeuten kann.
3. Umsetzung und Future-Check
Erst wenn das Potential erkannt und vor allem anerkannt ist, beginnt die Umsetzung. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass die Konsequenzen und Veränderungen, die das „neue Leben“ mit sich erkannt und anerkannt wird.Auch können die Systeme, in denen sich der Klient befindet, Gegenarbeit leisten, die es zu verstehen und überwinden gilt: Vergleichbar mit einem Schauspielensemble, hat sich jeder Mensch (s)eine Rolle im System zugedacht. Wird die Rolle geändert, muss der Rest entweder mit der Änderung des Drehbuchs einverstanden sein, oder die Rolle wird schlicht ersetzt, was für den Klienten den Rauswurf aus dem Ensemble bedeuten kann.Darüber muss sich der Klient im Klaren sein und es akzeptieren. Ansonsten wird das neu entdeckte Potential wieder in der Schublade verschwinden – weil die gefühlten Nachteile zu groß sind, werden die Vorteile erst gar nicht gesehen.
4. Qualitätskontrolle
Nach dem dritten Schritt folgt die Qualitätskontrolle. Hier kann es notwendig sein, bestimmte Vorgehensweisen nachzujustieren, zu verändern oder auch ganz zu verwerfen. Das reale Leben und die Rückmeldungen (sowohl die inneren, als auch die äußeren) geben hier den nötigen Aufschluss.

9 ½ Tipps zur Potentialentwicklung!

Im Folgenden habe ich einige bewährte Grundsätze formuliert, die ich jedem empfehle, der die Notwendigkeit einer Veränderung spürt – und mich danach fragt. 1. Gefühle sind authentisch!
Gefühle sprechen nicht in Worten, sondern in Empfindungen und besitzen somit die größtmögliche Ehrlichkeit. Ihre Gefühle zeigen Ihnen ganz klar Ihre Bedürfnisse!

2. Lassen Sie Gefühle zu!
Verdrängen Sie ihre Gefühle und Empfindungen nicht, sondern lernen Sie, Gefühle zuzulassen und mit ihnen spontan in Kontakt zu treten. Das kann jeder!

3. Lernen Sie „Gefühlisch“!
Lernen Sie, die Sprache Ihrer Gefühle zu verstehen. Das bringt mit der Zeit Sicherheit und Sie können spontan und authentisch auf und in Situationen antworten.

4. Seien Sie ehrlich zu sich selbst!
Ihr derzeitiger Job mag Ihnen Sicherheit oder Anerkennung geben. Gibt er Ihnen auch Erfüllung? Es ist in Ordnung, bequem zu sein und Angst zu haben und niemand erwartet den sofortigen Umbruch. Ehrlichkeit zu sich selbst ist der Anfang von allem!

5. Seien Sie ein Schmetterling!
Oft glauben wir, dass es großer Entscheidungen bedarf, um stimmig zu leben. Es sind aber die kleinen Veränderungen, die nötig sind und die automatisch große Veränderungen nach sich ziehen. Der Flügelschlag eines Schmetterlings ist es, der das Wetter beeinflusst und Chaos ist die Regel!

6. Sie sind nicht verrückt!
Wenn Krankheit – psychisch wie physisch – überhand nehmen oder überzufällig in bestimmten Lebenssituationen auftreten, dann kann Veränderung angesagt sein. Sie sind deshalb nicht verrückt oder hypochondrisch, sondern Ihr Geist und Ihr Körper reagieren ganz einfach auf Ihr Leben. Das ist normal!

7. Seien Sie offen!
Beobachten Sie Aufmerksam, was auf Sie zukommt. Wenn es sich gut anfühlt, gehen Sie darauf ein, auch wenn es nicht gerade in Ihre Planung passt. Dass kann eine Anzeige sein, die Ihnen gerade gefällt oder ein Werbeslogan, der etwas in Ihnen bewirkt. Gehen Sie den Dingen nach, denn Ihr Gefühl ist schlauer, als Sie denken!

8. Leben bedeutet Entwicklung!
Akzeptieren Sie, dass Leben nie fertig ist sondern ein immerwährender Entwicklungs-prozess. Freuen Sie sich über jede, vielleicht sogar jahrelange Konstanz in Ihrem Leben und erkennen Sie, wenn die Zeit vorbei ist. Kleben Sie nicht an Menschen, Jobs, Situationen, Meinungen und Ideen, sondern lassen Sie genug Raum für Neues!

9. Holen sie sich Hilfe!
Hilfe zu beanspruchen zeugt nicht von Hilflosigkeit, sondern von Intelligenz. Im eigenen System ist der Mensch blind. Ein Therapeut, ein Arzt oder ein Coach macht nichts anderes, als (bestenfalls) neutral Ihr System anzuschauen und Ihnen bei der Veränderung zu unterstützen.

10. Alles ist möglich!
Kümmern Sie sich nicht um das „wie“. Das „wie“ offenbart sich automatisch, wenn das „was“ feststeht. Sobald sie in Kontakt mit Ihrem Potential kommen, brauchen Sie nur noch das, was auf Sie zukommt, anzunehmen. Auch wenn Sie nicht genau wissen, warum – vertrauen Sie Ihrem Gefühl!