Du – Ich – Wir

Die Wanderung

Stellen Sie sich vor, da ist ein Wanderer, der eine Bergtour macht. Kurz vorher gibt ihm ein Freund einen Rucksack mit, der ihm helfen werde, die Tour zu überstehen.

Der Wanderer geht los und merkt mit der Zeit, dass es ihm immer schwerer wird. Auf halber Strecke, fast am Ende seiner Kräfte, erinnert er sich an den Rucksack und schaut vorsichtig hinein.

Im Rucksack entdeckt er Brote, Wasser, Obst und andere Speisen und Getränke. Er isst ein Brot und trinkt Wasser und fühlt sich plötzlich wieder frisch und erholt. Auch der Ballast im Rucksack ist weniger geworden und sein Weg wird zunehmend leichter.

Bestärkt von der Erfahrung macht er nun öfter eine Pause und geht immer frischer ans Werk. Oben angekommen, ist er zwar erschöpft aber satt und glücklich, es geschafft zu haben.

Auf dem Berg befindet sich natürlich ein Kiosk und für die Abfahrt steht eine Bahn bereit – um die Geschichte mal so richtig glücklich enden zu lassen ;-).

Du – Ich – Wir

In den Alltag übersetzt bedeutet dies, dass, wenn wir geboren werden, das erste was wir wahrnehmen, das DU ist. Von ihm oder ihr lernen wir alles von dieser und über diese Welt und wir werden vor allem versorgt und am Leben gehalten. Das DU ist der wichtigste Mensch in unserem Leben.

Es dauert nun einige Jahre, bis wir neben dem DU noch das ICH entdecken. Es schält sich Stück für Stück aus dem DU heraus, es reibt sich an ihm und erkennt sich dabei als ein von ihm unterschiedliches Wesen.

Dann dauert es noch eine Weile, bis dieser neue Mensch auch das WIR entdeckt. Es gibt die Familien-WIRs, die Schul-WIRs, die Freundes-WIRs und viele andere.

Zu den WIRs zählen nur die Menschen, die wir mögen oder denen wir uns auf eine Weise verbunden fühlen. (und das nicht unbedingt immer angenehm!)

Das Leben is ´ne Wanderung

Diese WIRs, um die beiden Geschichten zu verknüpfen, haben uns von Anbeginn mit Gedanken und Verhaltensweisen, mit Bildern über die und von der Welt gefüttert.

Diese Geschichten sind die Nahrung im Rucksack des Wanderers.  Erst wenn wir sie entdecken und anschauen, uns mit ihnen beschäftigen und sie durchkauen, haben wir die Möglichkeit, sie zu verdauen.

Und dann wird nicht nur unser Rucksack leerer und leichter, sondern vor allem merken wir, dass diese Geschichten nur dann zum Problem werden, wenn wir sie mit uns rumschleppen und vergammeln lassen, statt sie zu kauen, zu schlucken und zu verdauen.